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Deutsche Gesellschaft für Semiotik (DGS) e.V.: Soziale Systeme

Soziale Systeme


Die moderne Gesellschaft kann heute kaum unter Verzicht auf den Systembegriff beschrieben werden. Selbst Jürgen Habermas spricht von mediengesteuerten Subsystemen, wenn er doch viel lieber von vernunftgesteuerten Handlungen sprechen würde. Warum aber »mediengesteuert«?

 

Dass das individuelle menschliche Verhalten oder auch das intersubjektive Zeichenhandeln als Ansatzpunkt zur Erklärung weltgesellschaftlicher Vorgänge in den sozialen Systemen Wirtschaft, Kunst, Recht, Religion, Politik, Erziehung, Gesundheit fraglich geworden ist, liegt auf der Hand. Eine Theorie, die Zeichenprozesse mit der makrosoziologischen Ebene in Verbindung bringt und damit an die Stelle der Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien treten könnte, liegt nicht vor.

 

Auf der anderen Seite zeigt sich immer deutlicher, dass soziologische Kommunikations- und Medientheorien, die nicht auf einer elaborierten Zeichentheorie aufbauen, Probleme mit Fragen der Materialität, Sinnlichkeit und Räumlichkeit entwickeln und sich Themen wie Widerständigkeit, Opazität oder Scheitern von Kommunikation kaum erschließen können. Insbesondere in der Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann besteht ein aktueller Bedarf an einer zeichentheoretischen Nachrüstung.

 

Die Sektion »Soziale Systeme« will allerdings nicht nur hier den Dialog anregen, sondern interessiert sich in aller Breite für das Verhältnis von Zeichen und Gesellschaft, solange Gesellschaft auf der Ebene gesellschaftlicher Teilbereiche betrachtet wird. Hierdurch ergibt sich die besondere Möglichkeit, Zeichenprozesse systemvergleichend zu analysieren und die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus semiotischen Forschungsbereichen, die sozialen Systemen zugeordnet werden können, in jeweils andere Bereiche zu prüfen. Das ist auch eine Einladung an die anderen Sektionen, die Sektion »Soziale Systeme« im Hinblick auf makrosoziologische Fragestellungen und systemvergleichende Perspektiven hinzuzuziehen.

 

Kontakt:

 

Dr. Franz Kasper Krönig
Bruchstr. 8
D-41569 Rommerskirchen
0049 (0)2183-806037

franz-kroenig@uni-flensburg.de

Aktuelle Arbeitsbereiche der Sektion „Soziale Systeme“
Diese Darstellung konkreter Projekte der Sektion „Soziale Systeme" möchte aus einem kaum zu überblickenden Feld einige aktuelle Interessen anführen. ... mehr
Sozialstrukturelle Relevanz von Zeichenprozessen
Die Soziologie, die in jedem Fall auf eine Kommunikationstheorie angewiesen ist, präferiert nicht ohne Grund Medientheorien. Man kann dann beobachten, dass Medientheorien als Ersatz von Zeichentheorien angesehen werden oder der Semiotik wenigsten noch die Rolle eines Teilbereichs zuweisen. ... mehr
Die Materialität des Sinns sozialer Systeme mit besonderer Berücksichtigung des ,abartigen’ Geldes.
Der Versuch, sämtliche Erscheinungsformen individueller oder kultureller Produktion auch in ihrer Kommunikabilität zu erfassen, hat die Geistes- und Kulturwissenschaften zu einer weitgehenden Generalisierung des Zeichen- beziehungsweise Symbolbegriffs geführt. ... mehr
Verknüpfung einer semiotischen informationstheoretischen Ästhetik mit der Medium/Form-Differenztheorie Luhmanns
The general medium/form difference theory of the sociologist Niklas Luhmann opens entirely new ways for aesthetic analysis. In Krönig (2009) you find a proposal for parameters of aesthetic medium and form analysis. ... mehr