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Esskultur
Wie isst der moderne Mensch? Beginnt das Essen seine vergemeinschaftende Funktion zugunsten eines selbstvergewissernden Snackens rund um die Uhr zu verlieren?
Dies sind Fragen, denen sich eine Kultursemiotik des Essens weniger auf der Suche nach kulinarischen Codes und Symboliken widmet, sondern vielmehr in Bezug auf den Essakt als performatives und kommunikatives Ereignis im Rahmen einer „narrativen“ Dialogizität zwischen Mensch und Produkt. Einen Ansatzpunkt für die semiotische Analyse von Nahrungskulturen und Ernährungsstilen liefert der postmoderne Fokuswechsel auf die Materialität, die Funktionalität und Soziabilität der Zeichenformen, den die Semiotik als Kulturwissenschaft vollzogen hat. Allein Begriffe wie „Mahlzeit“ oder „Tischgemeinschaft“, bei denen zubereitete „Speisen“ in institutionalisierten Ritualen verzehrt werden, sind angesichts der Fast-, Convenience- und Functional-Food-Welle mit ihren entstrukturalisierten Essgewohnheiten prekär geworden. Wenn Konsumenten als Dauersnacker angesprochen werden, die durch Kauflandschaften zwischen Arbeit und Zuhause, durch so genannte "Dritte Orte" (Ray Oldenburg) flanieren, müssen Ernährungsverhaltensstile in ihrer Soziabilität neu gefasst werden.
Wer gemeinsam am Tisch mit anderen „das Brot bricht“ (compane), ist anders vergemeinschaftet als der, der die Sinnlichkeit des Kochens und Essens über Texte erfährt, über jene sich ausbreitenden Mediendiskurse rund um Essen, Diätetik und gesunde Ernährung, in denen Inhaltsstoffe „genossen“ und Nahrungsmaterien fremd werden.
Kontakt: Jun.-Prof. Dr. Nicole M. Wilk, Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Paderborn, Warburger Str. 100, 33098 Paderborn, Mail: nicole.m.wilk@uni-paderborn.de |