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Das Kongress-Programm finden Sie in den einzelnen Sektionen und gesammelt hier (unten). Bitte regelmäßig nachsehen, da diese in nächster Zeit permanent aktualisiert und ergänzt werden. //// Below you will find the Congress Program of the upcoming 13th International Semiotics Congress 2011, in Potsdam 12th-16th October 2011, and additional information about the congress theme as well as the scholarship prize.
_______________________ Das Kongress-Thema 2011:
"Repräsentation, Virtualität, Praxis"
Wirklichkeit wird nie direkt erfahren, sondern einer Gesellschaft immer durch symbolische Kategorien zur Verfügung gestellt. „Repräsentation", „Virtualität" und „Praxis" sind Begriffe, mit denen diese symbolische Vermittlung bereits seit geraumer Zeit vielschichtig thematisiert wird. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen haben sie keinesfalls an Brisanz verloren, insbesondere wenn die an sie gebundenen semiotischen Systeme als sich ergänzende und einander durchdringende Formen des Weltzugangs zueinander in Beziehung gesetzt werden.
Der Begriff der Repräsentation umfasst hierbei sowohl die mentale Vorstellung der Außenwelt, also den Vorgang des Bedeutens von Welt durch Sprache und Symbole, als auch die physischen Artefakte und ihre sozialen, politischen und kulturellen Funktionen.
Unter Virtualität wird dagegen eine gedachte Entität verstanden, die unseren Lebensalltag heute mehr denn je indirekt über ihre Funktionalität oder Wirkung prägt. Das rückt Virtualität in die Nähe von Praxis, da sie im Sinne eines „Als-ob" neue Formen des Erlebens, Erfahrens und Handelns eröffnet. Diese Durchlässigkeit von Wirklichkeit und „So-tun-als-ob" wohnt auch dem Begriff der Repräsentation im Sinne von Vor- und Darstellung inne.
An konkreten Beispielen werden diese Permeabilitäten interdisziplinär und multiperspektivisch diskutiert, um deren Gefahren und Chancen zu beleuchten, um die Vielschichtigkeit aktueller Entwicklungen aufzuzeigen und die theoretischen Grundlagen kritisch zu überdenken.
Übersicht über das Kongress-Programm (Schema der Zeit-Slots): | | Mi 12.10.2011 | | Do 13.10.2011 | | Fr 14.10.2011 | | Sa 15.10.2011 | | | Anreise | 9.00- 10.30 | Grußworte Eröffnungspodium 1 | 9.00-11.15 | Sektionsarbeit | 9.00-11.15 | Sektionsarbeit | | | | 10.30-11.00 | Kaffeepause | 11.15-11.30 | Kaffeepause | 11.15-11.30 | Kaffeepause | | | | 11.00-12.30 | 1. Plenarvortrag: Introduction to Ethnosemiotics : Prof. Dr. F. Marsciani (Bologna) | 11.30-12.45 | Podium 3: Das Symbolische und das Mediale | 11.30-12.30 | 2. Plenarvortrag: Prof. Dr. Cristina Demaria (Bologna): „Semiotic and Cultural Studies.“ | | | | 12.30 | Mittagessen | 13.00 | Mittagessen |
12.30-13.30
_____ 13.00
| Informationsveranstaltung über die Zeitschrift für Semiotik __________
Mittagessen | | | | 14.00- 16.15 | Sektionsarbeit | 14.00-16.15 | Sektionsarbeit | 14.00 | Exkursion: Park Sanssouci | | | | 16.15-16.30 | Kaffeepause | 16.15-16.30 | Kaffeepause | | | | 17.00- 18.30 | Anmeldung | 16.30-18.45 | Podium 2: Religion | 16.30-18.00 | Sektionsarbeit | | | | 18.00 | Beiratssitzung | Ab 19.15 | Eröffnung der Ausstellung : Zeichenpraxis im urbanen Raum Performance : visiotype von Mathias Fuchs Verleihung des Nachwuchsföderpreises Eröffnungsbüffet | 18.30-19.45 | Podium 4: Marketing | | | | ab 19.30 | Warming up | | | ab 20.30 | Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Semiotik e.V. (DGS) | | |
DIE PODIEN AUF DEM KONGRESS
Eröffnungspodium 1: Repräsentation - Virtualität - Praxis (Moderation: Prof. Dr. Eva Kimminich) In drei Kurzreferaten wird im Rahmen jeweils unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen einführend eine mögliche Konzeptualisierung der Begriffe vorgeschlagen: 1 Aus semiotischer Perspektive stellt Prof. Dr. Cristina Demaria (Universität Bologna) den Begriff der Repräsentation vor: „Representation between text and practice." The concept and definition of representation in the Italian semiotics has been a great topic of discussion over the last years. The question is if text, as object of semiotic science, is adequate to analyze the cultural experience. The debate about the categories of text, practice and reality is redefining the meaning of representation as a semiotic concept. 2 Aus philosophischer Sicht beleuchtet Flavien Lebouter (Jena/Paris) den Begriff der Repräsentation: „Das Virtuelle: Eine Typologie seiner Beziehung zur Realität.." Das Virtuelle bietet eine neuartige Erfahrungsform, die die Frage der Art unseres Verhältnisses zur Realität auf eine andere Weise stellt und unsere Wahrnehmung des Zeitraums, des Körpers und der Identität erschüttert. Leider werden die durch die Medien verbreiteten Ausdrücke wie „virtuelle Realität", „virtuelle Welt", „Telepräsenz" oder „ Cyberspace" oft ungenau benutzt. Dadurch wird die Erfassung der Tragweite behindert, die mit den tiefgreifenden Veränderungen und Risiken der digitalen Gesellschaft einhergeht. Statt eine essentialistische Definition des Virtuellen zu geben, schlagen wir vor, seine Komplexität auf der Basis einer Typologie zu erläutern, die sich an Kriterien wie Finalität, raumzeitliche Verortung sowie Merkmalen des Interface und der Interaktion orientiert. Daraus können wir einen differenzierten Ansatz der Beziehungen zwischen dem Virtuellen und dem Realen skizzieren. 3 Aus der praktischen Erfahrung mit Phänomenen des jugendkulturellen Zeichensetzens erläutert Klaus Farin den Begriff der Praxis, der eng mit den Begriffen Repräsentation und Virtualität verknüpft ist: „Jugendkulturelle Zeichenpraxis im öffentlichen und virtuellen Raum" Heute existiert ein dichtes Netzwerk jugendkultureller Praxen und jugendlichen Engagements, die sich schon allein aufgrund ihrer Kommunikationswege (Flyer, Handy, Internet, Party-Zentralen als News Boxes) weitgehend unbemerkt von der Erwachsenengeneration entfalten. Sie bewegen sich einerseits in einem virtuellen Raum und sind im öffentlichen Raum materiell oft nur kurzzeitig oder vorübergehend sichtbar oder hörbar. Allen gemeinsam aber ist, dass sie jemanden oder etwas repräsentieren. An einigen jugendkulturellen Praxen soll der Zusammenhang von Virtualität und Repräsentation skizziert werden. - Cristina Demariais Assistant professor of Semiotics at the University of Bologna (Italy), Department of Communication Studies. Her recent publications include (with M. Daly, eds.): The Genres of Post-conflict Cultures Testimonies. Nottingham: CCCP Press, and Entre textos y prácticas: hacia una semiótica culturológica. In G. Abril (ed.): El cuarto bios. Estudios sobre comunicación e información. Madrid: Editorial Complutense. Her current research interests include gender studies, memory studies, visual culture and trauma and the genre of testimonial documentary in post-conflict cultures.
- Der Nachwuchswissenschaftler Favien Lebouter hat Philosophie an der Universität Paris IV (Sorbonne) studiert und Wirtschaft an der Ecole Supérieure de Gestion in Paris. Er ist Dozent für Philosophie und Wirtschaft am deutsch-französischen Gymnasium in Freiburg und ist dabei, sein Zweitstudium in Soziologie an der Universität Paris V-Sorbonne und der Friedrich-Schiller-Universität Jena abzuschließen. Von Interesse für unsere Diskussion ist die fruchtbare Verknüpfung seiner Arbeitsgebiete. Systemtheorie, Gesellschaftskritik, Identitätstheorien, Medientheorien und Phänomenologie kombinierend, zeigt er richtungweisende Aspekte für die semiotische Betrachtung von Virtualität auf.
- Klaus Farin war von 1998 bis 2011 Leiter des von ihm gegründeten „Archiv der Jugendkulturen" in Berlin, das Materialien jeglicher Art (Fanzines, Flyer, Tonträger, Bücher, wissenschaftliche Studien usw.) über und aus Jugendkulturen sammelt, analysiert, archiviert und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Seit 2011 ist er Vorsitzender der Stiftung „Respekt - Die Stiftung zur Förderung von jugendkultureller Vielfalt und Toleranz, Forschung und Bildung" und freier Autor sowie Lehrbeauftragter und Vortragsreisender in Schulen, Jugendklubs, Justizvollzugsanstalten, Akademien und Unternehmen. Seine Veröffentlichungen befassen sich mit Skinheads, Fußballfans, Neonazis, Gothics, Karl May und anderen Jugendkulturen.
Podium 2: Gott dichten und denken? Spuren und Zeichen (Moderation: PD. Dr. Thomas Nisslmüller / Prof. Dr. Peter Rusterholz) In unserer Zeit der sich beschleunigenden Veränderung der Zeichenwelten durch die verwirrende Vielfalt sich vermischender Kulturen wird die Suche nach den Zeichen und Spuren, die auf Gott verweisen, nicht nur besonders schwierig, sondern auch besonders dringlich und aktuell. Literarische Texte sowie bewegte und bewegende Bilder wollen die Lesenden und Sehenden zur Begegnung mit sich selbst und zur Begegnung mit der ganz anderen Wirklichkeit der Kunst herausfordern, zu anderem, neuen Leben bringen. Inwiefern ist die ästhetische Erfahrung mit der religiösen Erfahrung verwandt? Gibt es auch in unserer postmodernen Medienkultur Erfahrungen, Gesten, Zeichen der Verweisung auf ein anderes, neues Leben, Zeichen des Verweises auf die Transzendenz? Ist z. B. Madonnas Video-Clip „Like a prayer" eine freche Parodie oder eine geglückte Re-Inszenierung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter? Wir diskutieren mit: Stephan Weyer-Menkhoff und Gerd Buschmann. Podium 3: Das Symbolische und das Mediale (Moderation: Prof. Dr. Eva Kimminich / Prof. Dr. Dieter Mersch) Der Verlust politischer Utopien und die weitgehende Entchristianisierung des öffentlichen Lebens haben in unserer gegenwärtigen Gesellschaft zu einer Sinnkrise geführt. Mit ihr sind die jeweiligen Mythen und Symbole in Vergessenheit geraten, die Individuum wie Gesellschaft konkrete Orientierungshilfen für ihre Lebensinhalte und ihre Lebenspraxis vermitteln. Solche Krisen gab es auch in der Vergangenheit und sie wurden durch Resemantisierung der zentralen Codes und Bildwelten gezielt ausgeglichen. Das Kulturrecycling der heutigen medientechnologischen Gesellschaft hat zusätzliche (audiovisuelle) Möglichkeiten. Ihre Medien vermitteln eine weitaus größere Vielfalt an Bildern, Symbolen und Sounds, die teilweise zwar alt bekannt sind, aber aus ihren traditionellen Kontexten isoliert und mit neuen Bedeutungen versehen oder kombiniert werden. Ihre Wirkkraft bleibt jedoch dieselbe, nur wird diese jetzt nicht auf eine in sich geschlossene kollektiv geltende Vorstellungswelt bezogen, sondern sie wird auf Menschen, Dinge und ihre individuellen Weltbilder, Identitätskonstruktionen oder auf Objekte übertragen, die auf dieselben zurückwirken sollen. Das lässt sich in der Popmusikkultur und Filmkunst ebenso beobachten wie in der Werbung. Sie nutzen sowohl die Symbolkraft von Bildern als auch von Sounds und Codes. Mit dieser ‚magischen‘ Kommunikation werden gesellschaftliche Wirklichkeiten, also Repräsentationen rekonstruiert und mit einem Subtext versehen. Durch die Medien hat das Symbolische eine Wirkmacht erhalten, die die Grenzen zwischen Realitäten und Repräsentationen auflöst und die affektiven Energien von Symbolen ins Un- und Vorbewusste verschiebt. Das macht Symbole unter Umständen zu Instrumenten, aber auch zum Ausdruck tiefliegender emotionaler Befindlichkeiten des Individuums wie der Gesellschaft. Impulsreferate halten: - Dr. Gerd Buschmann, seit 1996 Akademischer Oberrat für Ev. Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg/ Württemberg und Mitglied im Bundesarbeitskreis „Populäre Kultur und Religion".
- Prof. Dr. Lucio Spaziante, Lecturer an der Universität Bologna und Vizepräsident der AISS (Associazione Italiana Studi Semiotici).
- Jan-Henrik Möller ist diplomierter Designer und promoviert seit 2007 bei Prof. Dr. Dieter Mensch zum Thema der Reflexivität des Medialen. Seit 2009 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medientheorie/Medienwissenschaften der Universität Potsdam.
Gerd Buschmann: „Religion in der Werbung - Werbung als Religion" Religiöse Symbole finden sich vielfältig in der medialen Werbung. Werbung präsentiert heute womöglich mehr religiöse Symbole als die traditionellen Religionsgemeinschaften. Religion und Werbung sind elementar miteinander verwandt: Beide versprechen das Paradies und binden an den einen Gott, die eine Marke. Werbung verwendet nicht nur seit Anbeginn und in jüngerer Zeit zunehmend religiöse Bildmotive, Symbole und Texte. Werbung wird auch selbst zur Religion bzw. zum Religionsersatz. Werbung spricht unsere tiefsten Sehnsüchte an und verheißt uns den „Himmel auf Erden". Religion und Werbung haben eine funktionale und strukturelle Ähnlichkeit. Lucio Spaziante: „Sound Senses: Figurativity and Sound Design" Audiovisual texts derive their effectiveness from effects of presence, based on reproduction, representation and reconstruction of reality, although instead of reproduction it would be more appropriate to speak of production. They have their own specific procedures to import the world inside themselves. If one of our usual ways to „catch the world" is to build a proper reading-grid (grille de lecture, according to Greimas), a useful way to construct textual worlds is to use such grids. In this sense, figurativity according to D. Bertrand (Précis de sémiotique litteraire, 2000) is the property to produce and transmit meanings, at least in part similar to those taken from our concrete perceptual experiences. But is figurativity a peculiar property of visual? The word „figure" is a very „visual" one, but what about thinking of „figures of sound"? Within the audiovisual language of cinema, sound and moving-image work together at the same time, so we can admit the idea of a sound figurativity, starting from indexical sounds depending on a causal source. According to Michel Chion (L'Audio-Vision, 1990) we recognize sounds to be truthful just if they actually render the feelings associated. The cases of Gus Van Sant's Paranoid Park (2007) or Disney-Pixar's Wall-e (2008) are particularly emblematic of films where sound design has an equal role to images. Jan Hendrik Möller: „Street Art-Codes. " Mit dem Begriff ‚Street Art‘ werden in der Regel unautorisierte künstlerische mitunter subversive Interventionen im urbanen Raum bezeichnet. Insofern handelt es sich bei Street Art um Artefakte einer Praxis. Der bestehende Zusammenhang der Stadt, in die eingegriffen wird, lässt sich dabei als repräsentationale Matrix symbolischer Vermittlungen auffassen. Der Raum der Straße erscheint als Dispositiv multipler Verwiesenheiten, mit der Tendenz sich in der Ökonomie seiner Funktionen zu Virtualisieren. Dem entgegen geht Street Art nicht in ihrer Kodierung auf, sondern ist auch experimentelle Sichtbarmachung des konkreten Körpers des urbanen Raums. Podium 4: „Marken. Repräsentation, Virtualisierung und Praxis eines besseren Lebens und besserer Geschäfte" (Moderation: Klaus Bernsau) Es diskutieren: Im Hinblick auf Fragen der Marken- und Marketingpraxis: - Georg Leusch (Leiter für Marketing & Kommunikation von UPS United Parcel Service Deutschland)
- Dr. Tobias Nickel (Leiter der Marketingkommunikation der BMW Group Deutschland)
Im Hinblick auf die angewandte semiotische Forschung:- Rolf Dobler (Mitarbeiter von Séissmo (einer qualitativen Marktforschungseinrichtung aus Mannheim in den Bereichen Kosmetik, Lebensmittel, Haushaltsgeräte und Automobil).
- Charlotte Hager (Inhaberin der comrecon marktdiagnostik & strategieberatung aus Perchtoldsdorf bei Wien, aktuelle Preisträgerin des TIM 2011, Tricom Preis für innovative Marktforschung).
Im Hinblick auf die semiotische Theorie und Theoriebildung: - Prof. Dr. Michael Müller (Professor für Medien an der HDM in Stuttgart und ehemaliger Preisträger des Förderpreises der DGS)
- Dr. Guido Ipsen (Privatdozent für Philosophie, Witten-Herdecke und Lecturer für Kommunikationstheorie, Fachbereich Design an der FH Münster).
Leitfragen der Diskussion sind: - Was unterscheidet Marken von ‚normalen' Produkten? Ist an diesem Unterschied etwas Zeichenhaftes, was ist dies?
- Sind Marken eine besondere Zeichenklasse? Wie sind sie dann von anderen Zeichen, z.B. Logos, Produkten und Produkt-Designs u.a. zu unterscheiden? Gibt es einen (semiotischen) Unterschied zwischen ökonomischen und nicht-ökonomischen Marken? Z.B. Coca-Cola auf der einen, George Clooney, Angela Merkel, Greenpeace und die Taliban auf der anderen Seite?
- Wie entstehen Marken? Gibt es spezifische Prozeduren der Marken-(Zeichen)Genese? Kann man Marken machen oder ist es nur eine ex-post Zeichenklassifikation?
- Gibt es markenspezifische Interpretations- und Wirkmechanismen? Wie sind diese - in Abgrenzung zu anderen Interpretationsmechanismen - zu beschreiben?
- Was repräsentieren Marken? Produkte, Unternehmen, Lebensträume etc.? Und wie ‚tun' sie das?
- Entstehen durch Marken - im Sinne der Virtualität - Kunst- und Parallelwelten? Sind diese mit virtuellen Welten aus Literatur oder Computer-Animation vergleichbar? Oder mit Utopien aus Philosophie und Politik?
- Welchen Einfluss haben Marken auf die Gestaltung der Wirtschaft, der Gesellschaft und des Lebens von Individuen? Wie ist die Rolle von Marken in Bezug auf Konsum als Ersatz-Religion bzw. als Sinn-Surrogat zu sehen?
- Welche Rolle kann Semiotik als Theorie der Zeichen und somit auch Theorie der Marken für das Verständnis, die Gestaltung und die Wirksamkeit von Marken leisten?
- Welche Theorieelemente, Methoden und empirische Untersuchungen sind bekannt? Welche Forschungsdesiderata sollte eine Semiotik im Bereich der Marken angehen?
- Wie ist die Vernetzung und gegenseitige Befruchtung von Semiotik und anderen im Bereich der Marke aktiven Theorien und Wissenschaften, namentlich der Wirtschaftswissenschaft, der Psychologie, der Kulturwissenschaft und der Bild- bzw. Designwissenschaft zu sehen? Konkurrenz oder Kooperation?
DIE PLENAR-VORTRÄGE AUF DEM KONGRESS 1. Prof. Francesco Marsciani (Bologna): „Introduction to Ethnosemiotics." Francesco Marsciani ist Professor für Semiotik an der Universität Bologna (DAMS). Er hat bei Umberto Eco promoviert und ist Mitbegründer der Ethnosemiotik. Das Zentrum für Ethnosemiotik (Centro Universitario Bolognese di Etnosemiotica - CUBE) fasst zwei Forschungs- und Beschreibungstraditionen zusammen: einerseits die Beschreibung von alltäglichen Handlungen, die als symbolische Praktiken verstanden werden, da sie innerhalb gemeinsamer kultureller Prozesse stattfinden; andererseits die semiotische Analyse von Semiose, durch die Menschen Welt ihre Umwelt mit Sinn versehen. Diese Zusammenführung hat positive Wirkungen auf beide Traditionen: erstens ermöglicht sie eine bessere Gliederung von ethnographischen Beobachtungen. Zweitens erweitert sie das Analysefeld von textueller Semiotik, die dadurch mit neuen Problemen konfrontiert wird. Das Ergebnis ist eine Erweiterung der Deskription von alltäglichen Handlungsformen. Mit seiner Einführung in die Ethnosemiotik sollen Impulse für die Zukunft der Semiotik gesetzt werden. 2. Prof. Dr. Cristina Demaria (Bologna): „Semiotic and Cultural Studies." Her lecture focuses on the reality status and semiotic effects of the image, and on its political efficacy when it comes to represent traumatic memories and testimony of violence and abuses, by questioning the category of documentary in visual culture. The methodology applied to analyze such a topic will make use of and complement the semiotic point of view with the research tools of Cultural Studies. What is meant by the categories of ‘document' and ‘documentary', in their implication with forms of visibility and practices of knowledge and transmission, is thus discussed through the relationship between trauma studies, visual culture and the genre of documentary cinema. In specific, the aim is to show how, by looking at theories of the documentary as they are performed and inscribed in different visual texts, it is possible to think of the documentary turn as an epistemological and artistic interrogation of the forms and forces, of the strategies of fictionalization, montage and truth, of some of the contemporary representations of the ‘real' and its ‘evidence'. Programm der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstagabend, den 13.10.2011 in H 3: 19.00 Verleihung des Nachwuchsförderpreises und Laudatio Frau Dr. Karin Wenz, Vorstand der DGS 19.20 Eröffnung der Ausstellung: „Stadt und Zeichen" (im Foyer) Prof. Dr. Eva Kimminich und Studierende An einer Auswahl aktueller mehr oder weniger beachteter Phänomene der Zeichensetzung im urbanen Raum soll die Ausstellung den Aspekt der Praxis vorstellen. Die Konzepte der Repräsentation und Virtualität sind dabei immer auch latent vorhanden. Der der Tagungsmappe beiliegende Ausstellungskatalog führt in verschiedene Aspekte der Zeichensetzung ein, versammelt von uns redigierte Seminararbeiten von Studienbeginnern und Studierenden höherer Semester, die diese Phänomene beschreiben oder analysieren. Mara Persello beleuchtet sie abschließend vor dem Hintergrund des Kongressthemas, um die Brauchbarkeit semiotischer Konzepte und Begriffe zu diskutieren. 19.40 Video-Performance: „postvinyl" von Mathias Fuchs (in der Eingangshalle) Mit der Performance „postvinyl" begibt sich Mathias Fuchs auf die Spurensuche nach den Memorabilia, der Ästhetik und den Klängen eines bereits verstorben geglaubten Mediums. Die Performance wurde für die Unreal Tournament Games Engine entwickelt und wird als Game Art Event aufgeführt. The performance „postvinyl" is an audiovisual search for clues to the history of a medium that has been declared dead for a few times: Vinyl Records. The performance is a game art piece for the Unreal Tournament games engine. Mathias Fuchs ist Künstler, Musiker, Medienkritiker und Senior Lecturer an der Universität Salford in England. Seit 2011 besetzt er eine Vertretungsprofessur für „Visuelles Denken und Wahrnehmen" an der Universität Potsdam. Er war Dozent an der Universität für angewandte Kunst in Wien, an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Angeregt durch eine Auftragsproduktion für die Spieleausstellung „Synreal: The Unreal Modification" begann er, sich mit dem Thema Game Art zu beschäftigen. Auf dem Gebiet der künstlerischen Nutzung von Spielen hat er daher Pionierarbeit geleistet und ist inzwischen ein führender Theoretiker zu Game Art und Games Studies. 20.00 Eröffnung des Buffets im Foyer 20.00 Präsentation "Foodprints. Ein künstlerisches Experiment im Stadtraum", anschließend Eröffnung des Buffets (im Foyer) Prof. Dr. Martin Ludwig Hofmann, Prof. Dr. Andreas K. Vetter und Studierende der Hochschule Ostwestfalen-Lippe Zeichen lesen. Zeichen setzen. Im Sommersemester 2011 führten Studierende der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und der Hochschule des Saarlandes unter der Leitung von Prof. Hofmann und Prof. Vetter einen semiotischen Workshop durch. Begleitet wurden sie dabei von dem Bielefelder Künstler Hinrich Schmieta. Nach einer theoretischen Fundierungsphase und einer urbanen Feldstudie in Bielefeld entwickelten die Studierenden einen perzeptiv verfremdenden Akt: Der naive Blick auf ein Dinner for two, den Marketingindustrie und integrierte Nahrungskonzerne inszenieren, um von der Leere der Zeichen abzulenken, wird gleichsam mit einem realitätsüberhöhenden Einsatz realisiert.
Die detaillierten Programme der Sektionen finden Sie beim jeweiligen Link hier:
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