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Bernsau, Klaus; Friedrich, Thomas & Schwarzfischer, Klaus (Hrsg.): Management als Design? Design als Management? Intra-, inter- und trans-disziplinäre Perspektiven auf die Gestaltung von ökonomischer, ästhetischer und moralischer Lebenswelt.InCodes Verlag (Regensburg), erschienen im Mai 2012. 216 Seiten. 24,80 Euro (D). Broschierte Ausgabe. ISBN 978-3941522039.
Überall im Buchhandel bestellbar oder bei Amazon.
Beim 13. Internationalen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS) in 2011 kooperierte die „Sektion Design“ in der DGS mit der „Sektion Wirtschaft“. Die Ergebnisse sind nun als Tagungsband verfügbar sowie kostenlos und bequem einzeln als PDF-Kapitel downloadbar (Links ganz unten).
Die Zusammenfassungen/Abstracts der Beiträge (die kostenlosen PDF-Downloads finden Sie ganz unten):
Gerdum Enders & Sabine Foraita gerdumenders@global-mind.net Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen
foraita@hawk-hhg.de Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen
Gibt es einen evolutionären Systemcode? Wenn Design eine strategische Intervention in das System ist, stellt sich die Frage nach der Stoßrichtung. Diese wäre eine Art evolutionärer Codierung der Zukunft des Systems. Da Systeme verschiedene Realitäten haben (disziplinäre Foki), stellt sich die Frage, wie diese Disziplinengrenzen überwunden werden können? Hier kommt Semiotik ins Spiel: Geht man von einer Codierbarkeit nicht nur von Design, sondern auch von Ökonomie oder Technik aus, dann würde der zentrale Code eines System dessen Autopoiesis bestimmen und alles was man codiert, würde damit den Wandel mitbestimmen. Will man nun pragmatisch an dieses Problem herangehen, braucht man eine Prozessmethodik, die Mikro- und Makrosystem transdisziplinär durchdringt und in einem abduktiven Vorgehen den inhärenten Systemcode entdeckt und in die zukünftige Recodierung transferiert. Dieses Vorgehen verfolgen wir seit Jahren experimentell und haben einige Fallstudien als Referenzen. Diese zeigen, dass man Systeme codieren kann, von Logo, über das Produkt bis hin zur Architektur. Der Systemcode dient hier dem qualitativen Controlling der Zeichen. Diese Prozesse laufen evolutionär, d.h. die vierte Dimension als Zeit spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. (Fallbeispiel: 10 Jahre Leonardo) Die Schnittstelle zur Umgebung des Systems liegt im dynamischen Zeichenfluss. Alle Artefakte befinden sich im permanenten Wandel. Wie man systemtheoretisch den Wandel sezieren kann, zeigen wir durch visuelle Strukturcharts, an denen wir semiotisch geleitet den Wandel der Artefaktkultur bestimmen. Strömungen werden hier aus verschiedenen Bedeutungsebenen analysiert und auf wahrnehmbare Cluster Bedeutungsstrukturen, die unterschwellig auftritt verdichtet. Diese bilden dann den Ausgangspunkt einer produktkulturellen Evolution als Interpretation des Systemcodes.
Heidrun Allert & Christoph Richter allert@paedagogik.uni-kiel.de Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
christoph.richter@gmx.com Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Das Denken in Ist-Soll-Differenzen ist kein designerisches Denken Designtheorie befasst sich mit dem Verhältnis von Analyse (IST) und Synthese (SOLL), das in verschiedenen Positionen einzelner wissenschaftlicher Disziplinen ganz unterschiedlich konzeptionalisiert ist. Das Denken in Designräumen (Burckhardt u.a.) anerkennt das co-evolutionäre Voranschreiten von Problem und Lösung in dynamischen Kontexten. Systemische Ansätze im Management und designtheoretische Positionen gehen davon aus, dass aus der Analyse die Synthese nicht abgleitet und Zukunft nicht kontingent gestaltet werden kann. Analyse und Synthese können noch nicht einmal voneinander getrennt werden, wenn nach Cross (2006) das Schaffen von Lösungsalternativen überhaupt erst ermöglicht das Problem zu explorieren und damit Analyse zu betreiben. Handeln und Erkennen sind also reziprok miteinander verbunden (vgl. Friedrich 2010). Wissenschaftstheoretische Auffassungen wie die Latours und Knorr-Cetinas und epistemologische Positionen wie die kultur-historische Tätigkeitstheorie, die mit der Systemtheorie grundlegende Annahmen teilt, anerkennen, dass das geschaffene Artefakt (ein Produkt, eine Technologie, eine Intervention) als Untersuchungsinstrument Realität transformiert und gleichzeitig erkennbar macht. Nimmt man den Begriff des „Forschungsdesigns“ ernst, so erschaffen wissenschaftliche Untersuchungen ohnehin die Realität, die wir erkennen können. Der Ansatz des Design als Wissensgenerierung (Allert & Richter, 2010) zeigt auf, wie trotz normativer Setzungen, Transformation der Realität durch die Untersuchung selbst, Wissen generiert werden kann. Bezug nehmend auf Nowotny et al. (Re-Thinking Science und New Production of Knowledge) gilt es nicht mehr, allgemeingültige Gesetze zu erkennen, sondern zu fragen, welcher generative Mechanismus wird unter welchen kontextuellen Bedingen wirksam.
Rainer Funke funke@fh-potsdam.de Fachhochschule Potsdam
Design und Moral
Ausgangspunkt ist eine empirische Studie zur Verknüpfung von moralischen Werten deutscher Jugendlicher mit dem Design von Alltagsgegenständen. Es kann gezeigt werden, wie die Probanden Design nutzen, um existentielle (inkl. spirituelle), selbstreflexive (auf die Persönlichkeits-Identität bezogene), kommunikative, soziodynamische, aber auch praktisch-operationale Probleme zu fixie-ren und zu lösen versuchen. Die Oberflächen der Alltagsobjekte werden in jeweils unterschiedlichen semiotischen Bündeln mit verschiedenen Codes gedeutet. Zwischen diesen semiotischen Bündeln entstehen sehr dynamische Korrelationen. Design wird zum Verknüpfungsmedium heterogener lebensweltlicher Ansprüche und Codes. So gelingt es, heterogene und diskontinuierliche An-schauungen und Handlungssysteme lebenspraktisch zu integrieren. Sogar widersprüchliche moralische Haltungen (z.B. „Du sollst nicht lügen!“ vs. „Wer nicht lügt, ist uncool.“ oder „Nicht mehr scheinen als sein!“ vs. „Opfer“) stellen sich im jeweils passenden Setting als vereinbar dar. Die zentrale Frage der Erörterung ist, in welcher Hinsicht solch komplexes Zeichen-bezogenes Handeln als soziopathologi-sche Dynamik bewertet werden kann und welche Rolle dabei Design als Disziplin und die Designer als Zeichenformer spielen. Als Referenztheorien hierfür werden klassische strukturalistische Modelle sowie Postmodernetheorien herangezogen und hinsichtlich designtheoretischer Fragestellungen diskutiert, z.B.: Wie passfähig zu den heutigen Kulturformen ist die klassische Emanzipations-figur des Reduktionismus? Manifestiert sich die von der Aufklärung programmatisch formulierte Idee des souveränen Subjekts als Konsum-Individualismus, weil die Integration in Gruppen das Ergebnis aktiver Individualisierung ist - verwirklicht mit komplexen Zeichensystemen des Design?
Wolfram Bergande post@bergande.de Universität der Künste Berlin
Kritik der Quasi-Subjektivität der Dinge: Produktdesign zwischen Kunst und Fetischismus
In zahlreichen Diskursen und Praktiken wird das gestaltete Produkt als Quasi-Subjekt verstanden. Danach können Produkten Qualitäten zugesprochen werden, über die üblicher Weise nur Personen verfügen: Selbstbezüglichkeit und gewisse spontane Eigenlogik. Sofern Produkten diese Qualitäten lediglich im Modus des Als-ob zugesprochen werden, stehen diese Diskurse in der Tradition des Kunstbegriffs des Deutschen Idealismus. Nach Kant ist die selbstreflexive Autonomie der Inbegriff des Schönen, und Schiller spricht von Schönheit als Freiheit in der Erscheinung. Weil im Idealismus die Selbstreflexivität des Schönen eine Quasi-Selbstreflexivität bleibt, ist sie grundsätzlich unproblematisch und fördert deren Selbstaufklärung. Das gestaltete Ding, das quasi-subjektivierte Kunst-Werk, verweist auf eine ‚eigentliche' Subjektivität jenseits seiner materialen Wirklichkeit (nämlich auf den Autor, mit dem der Betrachter vermittels des Werks psychisch interagiert). Werden dagegen den Produkten diese Qualitäten realiter zugesprochen, dann setzten sie sich als Fetisch, als vermeintlich sinnliche Inkarnation des psychischen Interaktionsprozesses, den sie vermitteln sollen, an die Stelle der Subjekte. So können sie bei der ökonomischen und politischen Manipulation durch die Kulturindustrie missbraucht werden. Dass allerdings die Grenze zwischen Kunst und Gestaltung einerseits, andererseits Fetischismus und Manipulation nicht trennscharf zu ziehen ist, haben die Theorien der Dekonstruktion und Interpassivität gezeigt. Nötig ist eine Methode, die dazu anleitet, die Formensprachen auf emanzipatorische oder manipulative Gehalte hin zu analysieren. Sie operiert unter der Hegelschen Prämisse, dass Form und Gehalt dialektisch auf einander bezogen sind und nicht unabhängig voneinander untersucht werden können.
Maren Lehmann maren.lehmann@zeppelin-university.de Zeppelin-Universität Friedrichshafen
Die Diagrammatik der Form: Ein kommunikationstheoretischer Blick auf die Differenz von Management und Design.
Der Beitrag versteht ‚Management' als auch ‚Design' als Formen der Beobachtung von sozialen Grenzen auf ihre Variations-Chancen hin. Wie wird diese Beobachtung beobachtbar gemacht, wie wird sie notiert, geschrieben, skizziert? Was ist ihr Medium? Und was ihre Form? Die These lautet: Das Medium der Beobachtung sind die Grenzen des Sozialen und damit die Grenzen der Kommunikation selbst. Das Management hat, wenn es nichts als diese Beobachtung hat, weit weniger mit einem straffen organisatorischen Programm oder souverän eingreifendem Handeln zu tun, als es dies seinem Selbstverständnis nach meint. Management beobachtet Grenzen, und trifft Unterscheidungen - sonst nichts. Genau darin aber sind Management und Design auf das Engste verwandt.
Vermutlich kann in Hinblick auf diese Differenz von Management und Design in der Form der Kommunikation von einer Diagrammatik des Sozialen gesprochen werden. Angenommen, Management und Design sind zwei Varianten des ‚drawing distinctions' im Raum der Kommunikation, dann müsste sich zeigen lassen, welche drawings diese beiden Beobachter verwenden. Dafür kommen Schematismen der Sprache, der Schrift, des zwei- und dreidimensionalen Bildes und nicht zuletzt zahllose formale Notationen in Frage, kryptische oder idiosykratische Notizen ebenso wie anschauliche und handlungsleitende Pläne: Formen des Notierens von Beobachtungen, flüchtige Entwürfe von Grenzsituationen, die ihre Flüchtigkeit nicht nur kompensieren, sondern geradezu auch forcieren darin, dass sie Entscheidungen ermöglichen, die die jeweilige Grenzsituation zugleich festlegen und als geänderte Situation erneut entwerfen. In dieser Gleichzeitigkeit von Beobachtung (Beschreibung einer Grenzsituation) und Entscheidung (Zuspitzung und Variation dieser Grenzsituation) liegt jene Diagrammatik der Form der Kommunikation, die der Gegenstand des Beitrags ist.
Hermann Rotermund hr@diemedienarchitekten.com Rheinische Fachhochschule Köln
Zweckfreiheit als Form
Die Akzeptanz einer distinkten Designwissenschaft ist nicht zuletzt davon abhängig, in welchen Begriffsfeldern ihr eine Diskursho-heit zuerkannt wird. Das Begriffspaar Form/Funktion ist in dieser Hinsicht populär, hat sich jedoch längst als unfruchtbar erwiesen. Die auf Visualisierungsstrategien ausgerichteten Beschreibungen engen Design und die Designwissenschaft medial zu sehr ein, obschon aus ihnen sicher exemplarisch zu lernen ist. Eine wahrnehmungstheoretische Grundlegung der Designwissenschaft, also eine Theorie der ästhetischen Informationsverarbeitung, könnte viele offene Fragen klären. Auf sie ist allerdings derzeit schon wegen der nur bruchstückhaften neurobio-logischen Erkenntnisse über die menschlichen Wahrnehmungsprozesse nicht zu hoffen. Der in der Designpraxis gängige Begriff der Form ist in vielen Fällen vorwissenschaftlich und bezieht sich häufig auf materielle Eigenschaften von Objekten. Die systemtheoretische Unterscheidung von Medium und Form und die Auffassung der Form als Differenzbegriff ist bislang noch selten auf das Design angewendet worden. In diesem Beitrag wird Zweckfreiheit als Grenzbegriff der Designtheorie untersucht. Die zwischen Design und Kunst, Design und Technik sowie Design und Ökonomie verlaufenden Unterscheidungen werden diskutiert und ansatzweise für eine Positionierung der Designwissenschaft fruchtbar gemacht. Dabei wird ein Seitenblick auf die urhe-berrechtliche Kommentierung des Begriffs der Zweckfreiheit geworfen, die vor allem die Individualität der Gestaltung eines Werks seiner Zweckgebundenheit gegenüberstellt. An Beispielen aus der Praxis des Mediendesigns wird Zweckfreiheit als Form des Designs beschrieben. Die Hypothese dabei ist: Der Sinn eines individuellen Designs wird erst operativ durch die Form der Zweckfreiheit.
Klaus Schwarzfischer ks@indukt.de INDUKT Institut für System-Kommunikation und Design, Regensburg
Von der Ästhetik zur Semioethik: Können ‚Soziale Systeme' wirklich Zeichen verarbeiten?
Die‚Integrative Ästhetik' schlägt ressourcen-ökonomischen Aspekten der Beobachtung folgend eine Basis für die Wahrnehmung und Bewertung vor. Somit kann die Ressourcen-Effizienz von Design-Prozess-Alternativen umfassend verglichen werden. Dabei sowohl die syntaktischen, die semantischen als auch die pragmatischen Gestalt-Phänomene analysiert. In jeder Gestalt-Wahrnehmung wird über den vorhandenen Stimulus hinausgegangen und eine Selektion bzw. Abstraktion vorgenommen. Gestalt-Wahrnehmung kann als Um-Codierung begriffen werden (von extensionaler Codierung des sensorischen Inputs zu intensionaler Codierung). Ästhetische Optimalität wird nicht durch Minimal-Code erreicht, wie es Reber et al. (2004) oder Redies (2007) suggerieren. Vielmehr scheint die Um-Codierung durch eine ‚Beobachtung zweiter Ordnung' positiv verstärkt zu werden. Eco (2002) fragt nach der ‚unteren Schwelle' und der ‚oberen Schwelle' von Semiotik. Analog sollten wir nach der ‚unteren Schwelle' und der ‚oberen Schwelle' von ästhetischer Erfahrung fragen. Luhmann (1984) unterscheidet ‚Psychischen Systeme' und ‚Sozialen Systeme', die beide ‚Sinn prozessieren'. Sind auch Soziale Systeme in der Lage, ästhetische Erfahrungen zu haben? Die Fähigkeit ‚etwas vor dem Hintergrund anderer Möglichkeiten zu sehen' kann auch als Minimal-Kondition für ‚Leidfähigkeit' gelesen werden. Nun ist aber die Frage offen, ob Soziale Systeme überhaupt selbst in der Lage sind, ästhetische Erfahrungen und/oder Leidfähigkeit zu haben. Oder handelt es sich um die Attribution der eigenen Erfahrungen Psychischer Systeme, welche diese als Analogie auf Soziale Systeme übertragen? Dann wären es kaum mehr als Metaphern, auf welche wir ethische und juristische Konsequenzen von erheblicher Tragweite aufsetzen.
Dimitrios Charitatos dcharita@itl.auth.gr Aristotle University of Thessaloniki
The “design” objects: a vague category of immaterial value I will show the rising use of the term “design” for a great variety of products, as a qualifying term of vanguard and quality. This term is vague, in the sense that it comprises many different objects of varying style whose mere common characteristic is the wish of their designers and producers to see them and promote them as such. The presentation is based on research dealing with products promoted by their designers and producers as design objects. These design objects pertain to various categories (e.g. design furniture, design interior spaces etc) and very often to quite different styles (Bauhaus revival, modernism, pop art or even neo-baroque). The designers create a style of objects, with irrelevant and fluid characteristics on their forms. The 'reading' of the object is done through a semiotic lens of promotion and dialectic enhancement. This creation of the design category is highly semiotic. The designers and the producers of the design objects attempt to connect them to a conceptual category, which is, in its turn, connected to the vanguard, to high quality, and to high immaterial value. This immaterial value is giving the objects the opportunity to target higher economic groups and therefore create profit out of a dialectic procedure. The proliferation of the design objects leads to an inflation of the term and the necessity for the invention of new categories and methods for the creation of immaterial value. The presentation is based on vivid examples of objects which although very irrelevant in terms of form (according to a strict design theory based analysis) they are connected through the attempt of their creators to present them as design items. Design chairs, “design” beds and more, from various countries and belonging to different style will be included.
Charlotte Hager c.hager@comrecon.com Comrecon Marktdiagnostik & Strategieberatung, Wien
Ist-Soll Differenzen von Werbebotschaften. Probleme bei Codierung und Decodierung. Wie sich Befragung und Semiotik für die Werbekonzeption ergänzen. Ein Beitrag aus der Praxis.
Oftmals erzielen Werbeanzeigen oder -plakate bei Befragungen im Zuge von Werbemitteltests hohe Impact-Werte und auch Sympathie und Gefälligkeit werden hoch eingestuft. Wir haben festgestellt, dass dies nicht in direkter Korrelation zur tatsächlichen Kaufbereitschaft steht. Mit Impact und Imagewerten kann auch nur die Akzeptanz und das Merken visueller Darstellungen, nicht aber das Verstehen von Werbebotschaften gemessen werden. Eine Befragung liefert Erkenntnisse, was wie verstanden wird, nicht aber das Warum, da dies im Unterbewussten geschieht. Hierbei spielt die Semiotische Analyse eine bedeutende Rolle: Es werden die unbewussten Signale und Botschaften der Werbung erschlossen. Sie zeigt auf, ob und wie die Botschaft verstanden wird und welche Zeichen für den Verstehensprozess verantwortlich sind bzw. diesen hemmen. Die Kombination der beiden Methoden ergibt eine präzise Aussage über die Werbewirkung und die möglichen Optimierungsfelder. Es entsteht Klarheit, warum eine positiv beurteilte und gefällige Werbebotschaft nicht ankommt, nicht verstanden wird und somit keine Handlung auslöst - Grad an Werbewirkung. Anhand von Beispielen wird im Vortrag aufgezeigt, welchen Beitrag die Semiotische Analyse für die Werbemittelforschung leisten kann.
Birgit Leitner birgleit@web.de „Ec(g)o-Design“ als Zusammenführung zweier Ebenen: Eco-Design und Ego-Design
Es geht um die Zusammenführung zweier Ebenen als offener methodologischer Ansatz: Eco-Design und Ego-Design. Die Untersuchung widmet sich der Bestimmung des ökologischen Selbst in ästhetischer Hinsicht. Ec(g)o-Design zielt nicht nur auf eine ressourcen-ökonomische Lebensweise. In Abkehr von der Folge der Perzeptionen und Stimulationen, in die Realität heute aufgelöst scheint, wird versucht, modernes Ec(g)o-Design im Rahmen einer „Realität der Substanz“ zu denken, auch in Bezug auf formale Aspekte der Ökosemiotik. Fragen des (ethisch reflektierten) „guten Lebens“ sollen erörtert werden. Die damit einhergehende ästhetische Einstellung erfordert Wissensbereitschaft und Orientierung darüber, inwiefern Dinge als in diesem Sinne „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten sind. Wir haben es mit „starken“ oder „schwachen“ Wertungen im ästhetischen Urteil zu tun. Es wird bei den Möglichkeiten der Gestaltung des kleinsten, d. h. des persönlichen Bereichs angesetzt: Kleidung und Wohnraum als Charakteristika einer ökologischen Lebens¬weise. Welche Maßstäbe benötigt eine solche Ästhetik? z. B. Materialkompetenz, Wissen über Verbrauch, Wiederverwertung und Recycling, ein Empfinden für Formen und Farben, Effizienz oder dass „weniger nicht schlechter“ bedeuten muss. Beim Ec(g)o-Design ist die physische und emotionale Beziehung zu den Dingen in ökologischer Hinsicht angesprochen, womit ein anderer Begriff des „Guten“ einhergeht. Die ökologische Gestaltung der „Dinge“ entsteht dann in Form einer ästhetischen integrativen Haltung etwa durch Einfachheit, Ordnung oder Wissen. Wird etwa danach gefragt, was Aristoteles mit „Ökologie“ zu tun hat, erfordert die „Rezeptionsästhetik“ ein Abstrahieren und Beziehen des Gesagten auf unsere heutige Umwelt und die mögliche qualitative Rückübertragung auf das eigene Leben.
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