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Programm der Sektion "Repräsentation - Virtualität - Praxis in der gegenwärtigen Architektur" beim Semiotik-Kongress 2011



Sektion Architekturwissenschaft


Claus Dreyer (Detmold), Susanne Hauser (Berlin)


Repräsentation - Virtualität - Praxis in der gegenwärtigen Architektur



In der gegenwärtigen architektonischen Praxis ist Repräsentation ein widersprüchliches Thema: wo im Alltag Gesichtspunkte wie Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, ökologische Unbedenklichkeit, Funktionsoptimierung, technologische Perfektion, urbane Dichte, ökonomische Verwertbarkeit usw. das Thema Repräsentation geradezu verdrängen, spielt es in Zusammenhängen von Stadtmarketing, Denkmalpflege, Ausstellungsarchitektur, Markenarchitektur, Künstlerarchitektur/Baukunst usw. eine herausragende Rolle. Während die Masse des Gebauten und zu Bauenden unauffällig daher kommt und darin eine Tugend sieht, werden vor allem spektakuläre Einzelobjekte zu Monumenten der Repräsentation gemacht (Elbphilharmonie Hamburg) oder (auch nostalgisch) erklärt (Berliner Stadtschloß) oder basisdemokratisch erkoren (Stuttgarter Hauptbahnhof). Ein allerseits akzeptiertes architektonisches Zeichensystem für neue repräsentative Bauaufgaben, das nicht nur für Eingeweihte, sondern auch für die breite Öffentlichkeit verständlich wäre, scheint nicht mehr zu existieren (trotz aller Versuche, den Neoklassizismus zu reanimieren), aber historische Formensprachen werden per se als repräsentativ angesehen - je älter, desto besser. Allein Stararchitekten verfügen über ein eigenes repräsentatives Formenvokabular, das allerdings oft für beliebige Inhalte verwendet wird (Libeskind, Gehry) und dessen repräsentative Kapazität deshalb als fragwürdig erscheint.


Quer zu diesen Tendenzen einer unauffälligen Sprache der Massenarchitektur und einer spektakulären Sprache hochrepräsentativer Einzelarchitekturen stehen die vielfältigen virtuellen Projekte und Entwürfe, die in digitaler Form mit hochkomplexen Programmen erzeugt und noch wenig gebaut, aber umso mehr medial vermittelt werden. Trotz ihrer meistens nur virtuellen Existenz üben sie erheblichen Einfluß auf das architektonische Denken einer vor allem jungen Avantgarde aus, die sich mit der repräsentativen „Sprache" dieser Entwürfe identifiziert und bereits von Paradigmen wie einem neuen „Parametrischen Stil" oder „New Structuralism" spricht. Die hier entstehende neue Formensprache der Architektur beeinflusst nicht nur die elitäre Stararchitektur, sondern infiltriert auch aufgrund der allgegenwärtigen Computerprogramme die Alltagsarchitektur. Ein ursprünglich nur instrumentell (miss-)verstandenes Werkzeug zur Erleichterung der Planungs- und Entwurfsarbeit ist zu einem selbständigen Generator neuer Wirklichkeiten geworden, deren Bedeutung erst noch gefunden werden muß.


Schließlich wird das Konzept der Repräsentation überhaupt in Frage gestellt: Architektur will und soll nichts mehr repräsentieren, da dafür die produktions- und rezeptionslogischen Voraussetzungen fehlen, sondern zu einem „Medium des Sozialen" werden, das seine Bedeutungen erst im konkreten Umgang der Menschen mit den jeweils gebauten Artefakten erhält und erzeugt, und damit ein wichtiges Mittel zur Konstitution und Reflexion von Gesellschaft überhaupt darstellt. Der Zusammenhang von virtuellen Potentialen architektonischer Produktionen, lebenspraktischen Interaktionen und repräsentativen Zeichenprozessen erscheint damit in einem neuen Licht, das zu umfassenden Erkundungen herausfordert.


Zu fragen ist:

  • Ist Repräsentation überhaupt noch ein Thema für den aktuellen architekturtheoretischen Diskurs und wo und wie kann er geführt werden?
  • Was können parametrische digitale Strukturen repräsentieren und wie repräsentieren sie etwas?
  • Wie verhält sich die neue Repräsentation digitaler Virtualität zur alten Repräsentation konventioneller architektonischer Formensprachen?
  • Welchen Einfluß hat die virtuelle Realität digitaler Strukturen und Objekte auf die alltägliche architektonische Praxis und wie ist dieser Einfluß so zu organisieren, dass „sinnvolle" Ergebnisse daraus hervorgehen können?
  • Welche Rolle spielen die Medien bei der Definition dessen, was repräsentative Architektur sein könnte, und wie beeinflussen sie das öffentliche Verhältnis zur Repräsentationsarchitektur?
  • Kann Architektur selbst als ein Medium verstanden werden, das dazu dient, im Zusammenhang mit sozialen Praktiken Bedeutungen zu erzeugen und zu vermitteln?

Diese und weitere Fragen sollen behandelt und, wenn möglich, beantwortet werden im Rahmen einer architekturwissenschaftlichen Sektion anläßlich des 13. Int. Kongresses der DGS vom 12.-16. Oktober 2011 an der Universität Potsdam. Vorgesehen sind 30-minütige Vorträge mit anschließender Diskussion.


Moderation:

Prof. Dr. Claus Dreyer (Detmold): claus.dreyer@t-online.de

Prof. Dr. Susanne Hauser (Berlin): susanne.hauser@udk-berlin.de




Das Programm der Sektion

 

Sektion: „Architektur: Repräsentation - Virtualität - Praxis" (Moderation : Dreyer/Hauser)

Name

Titel des Beitrags

Ursula Baus

"Parameter und Repräsentation - ungeklärte Verhältnisse"

Jan Engelken

"Zeitgenössische westliche Architektur in Peking. Ein Deutungsversuch im Kontext der Theorie von den Internationalen Beziehungen am Beispiel des neuen CCTV/TVCC- Gebäudekomplexes für das chinesische Staatsfernsehen"

Niels-Christian Fritsche

"Negative Gleichzeitigkeit - Kartieren der Spuren zur Ausstellung „Erinnerung, Gewalt, Verdrängung - Dresden und der 13. Februar 1945" im Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek 2011"

Jörg Gleiter

"Generatives und parametrisches Design als symbolische Form"

Stefan Hajek

"Repräsentation - Virtualität und die Logik des Konsums"

Marcel Heinz

"Eine Rekonstruktion des Begriffs von Architektur aus dem Verhältnis gegenüber sozialen Praktiken am Beispiel der Street-Art"

Heinrich Jennes

"Wer hat Angst vor wilden Tieren - Repräsentation des  Bodens"

Claudia Schwalfenberg

"Verflüchtigung der Architektur, Verflüchtigung des Architekten. Repräsentation im berufspolitischen Diskurs"

Frank Werner

"Nur eine Frage des Stils? Von der architektonischen Notation über Diagramme zum Parametricismus<"

Georg Wilbertz

"Surrogate Cities - virtuelle Schichtungen der Stadt und traditionelle Repräsentanz des Urbanen"

Oliver Ziegenhardt

"Ingenhoven Horror Picture Show"




Donnerstag 13.10. 2011


9.00h - 9.30h :

9:30h - 10.30h:

Grußworte zur Eröffnung des Kongresses

Eröffnungspodium 1: „Repräsentation - Virtualität - Praxis" 

10.30h - 11.00h:


Kaffeepause


11.00h - 12.30h:


1. Plenarvortrag: „Introduction to Ethnosemiotics" (Prof. Dr. Francesco Marsciani, Bologna)


12.30h - 14.00h:


Mittagspause



14.00h - 14.45h:





14.45h - 15.30h:


15.30h - 16.15h:


Claudia Schwalfenberg: „Verflüchtigung der Architektur, Verflüchtigung des Architekten. Repräsentation im berufspolitischen Diskurs."

Stefan Hajek: „Repräsentation - Virtualität und die Logik des Konsums"

Marcel Heinz: „Rekonstruktion des Begriffs von Architektur aus dem Verhältnis zu sozialen Praktiken am Beispiel der Street-Art"

16.15h - 16.30h:


Kaffeepause


16.30h - 18.45h:


Podium 2: „Gott dichten und denken? Spuren und Zeichen"


Ab 19.15h:


Abendprogramm und Büffet


 

Freitag 14.10.2011

9.00h - 11.15h:


Sektionsarbeit


11.15h - 11.30h:


Kaffeepause


11.30h - 12.45h:


Podium 3: „Das Symbolische und das Mediale"


13.00h - 14.00h:


Mittagspause



14.00h - 14.45h:




14.45h - 15.30h:




15.30h - 16.15h:


Frank Werner: „Nur eine Frage des Stils? Von der architektonischen Notation über Diagramme zum ‚Parametricism‘"

Jörg Gleiter: „Generatives und parametrisches Design als symbolische Form"

Niels-Christian Fritsche: „Negative Gleichzeitigkeit"

16.15h - 16.30h:


Kaffeepause


16.30h - 17.15h:




17.15h - 18.00h:


Oliver Ziegenhardt: „Ingenhoven Horror Picture Show"

Heinrich Jennes: „Wer hat Angst vor wilden Tieren - Repräsentation des  Bodens"

18.30h - 19.45h:


Podium 4: „Marken. Repräsentation, Virtualisierung und Praxis eines besseren Lebens und besserer Geschäfte"


Ab 20.30h:


Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Semiotik e.V.


 

Samstag 15.10.2011


9.00h - 9.45h:




9.45h - 10.30h:




10.30h - 11.15h:


Georg Wilbertz: „Surrogate Cities. Virtuelle Schichtungen der Stadt und traditionelle Repräsentanz des Urbanen"

Claus Dreyer: „Repräsentation und Virtualität in der gegenwärtigen architektonischen Praxis"

Susanne Hauser: „Architekturwissen im Zeichen der virtuellen architektonischen Praxis"


11.15h - 11.30h:


Kaffeepause


11.30h - 12.30h:


2. Plenarvortrag: „Representing the ‚unrepresentable‘" (Prof. Dr. Christina Demaria, Bologna)


12.30h - 13.30h:


Ab 13.00h:

Informationsveranstaltung über die Zeitschrift für Semiotik

Mittagspause

14.00h:


Exkursion: Park Sanssouci



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